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Sprechen mit den Augen: Augensteuerung am iPhone und iPad

Seit iOS 18 kann die Frontkamera den Blick verfolgen und daraus Eingaben machen. Zusammen mit einer Sprech-App wird daraus eine Stimme, die ganz ohne Hände auskommt.

Augensteuerung war lange Spezialtechnik: eigene Geräte, eigene Kameras, fünfstellige Preise, Antragswege über die Krankenkasse. Das gibt es alles weiterhin, und es hat seinen Platz. Neu ist, dass ein Teil davon inzwischen in jedem neueren iPhone steckt. Apple hat mit iOS 18 eine eingebaute Augensteuerung ausgeliefert, die allein mit der Frontkamera arbeitet. Für Menschen, die weder sprechen noch die Hände benutzen können, ist das eine bemerkenswerte Tür: Ein Gerät, das ohnehin in der Familie vorhanden ist, wird zur Blicksteuerung.

So wird die Augensteuerung eingerichtet

Der Schalter sitzt in den Einstellungen unter Bedienungshilfen, dort als Augensteuerung beziehungsweise Eye-Tracking gelistet. Nach dem Aktivieren folgt eine kurze Kalibrierung: Ein Punkt wandert über den Bildschirm, die Augen folgen ihm, das System lernt daraus die Blickrichtung. Danach erscheint ein Zeiger, der dem Blick folgt. Ausgelöst wird über die Verweilsteuerung: Ruht der Blick eine einstellbare Zeit auf einer Stelle, gilt das als Tipp.

Ein paar Praxispunkte entscheiden über Erfolg oder Frust. Das Gerät muss stabil stehen, etwa in einer Halterung am Bett, Armlänge entfernt und ungefähr auf Augenhöhe. Gleichmäßiges Licht hilft, Gegenlicht stört. Brillen funktionieren meist, stark spiegelnde Gläser können Probleme machen. Und die Kalibrierung sollte wiederholt werden, wenn sich die Position deutlich ändert. Zehn Minuten Geduld bei der Einrichtung zahlen sich aus.

Vom Blick zum gesprochenen Satz

Die Augensteuerung bewegt nur den Zeiger, den Inhalt liefert die App. Für Kommunikation heißt das: Der Blick wandert auf eine Satz-Taste oder buchstabiert auf einer Bildschirmtastatur, die Verweilauswahl tippt, die Sprachausgabe spricht. Damit das klappt, muss die App fürs Blick-Tippen taugen. Kleine, dicht gedrängte Tasten sind mit den Augen kaum sauber zu treffen, denn der Blickzeiger zittert stärker als ein Finger. Nötig sind große Ziele, deutliche Abstände und der Verzicht auf alles, was präzises Ziehen oder Wischen verlangt.

Die Sprechhilfe hat dafür einen eigenen Augensteuerungs-Modus: Er vergrößert Abstände und Tasten, damit die Verweilauswahl zuverlässig trifft. Entwickelt und getestet wurde er mit einem jungen Nutzer, der die App per iOS-Augensteuerung vom Bett aus bedient. Im Browser kostenlos ausprobierbar.

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Üben, ohne zu ermüden

Blicksteuerung ist ein eigenes Bewegungsmuster, und niemand beherrscht sie in der ersten Stunde. Bewährt hat sich, mit kurzen Einheiten von fünf bis zehn Minuten zu beginnen und zuerst nur die großen Satz-Tasten anzusteuern, nicht die Tastatur. Buchstabieren per Blick kommt später, wenn das Auslösen sicher sitzt. Hilfreich ist auch, die Verweildauer anfangs eher lang einzustellen: lieber langsam und treffsicher als schnell und daneben. Und wenn die Augen brennen, ist Pause, nicht Ehrgeiz, der richtige nächste Schritt.

Für wen sich das eignet, und für wen nicht

Die eingebaute Augensteuerung ist ein Werkzeug für den Einstieg und für alle, bei denen es schnell gehen muss: nach einem Unfall, bei einem plötzlichen Stimmverlust, in der Zeit, bevor ein verordnetes Hilfsmittel eintrifft. Sie kostet nichts und ist in einer Viertelstunde eingerichtet.

Ihre Grenzen soll man ebenso klar benennen. Die Frontkamera trackt gröber als die Spezialkameras dedizierter Geräte, längere Sitzungen strengen die Augen an, und bei unruhiger Umgebung oder wechselndem Licht sinkt die Trefferquote. Wer dauerhaft und den ganzen Tag über per Blick kommuniziert, etwa bei fortgeschrittener ALS oder einem Locked-in-Syndrom, ist mit einem verordneten Augensteuerungs-Gerät samt professioneller Anpassung besser versorgt. Solche Systeme, etwa augengesteuerte Sprachcomputer auf iPad- oder Windows-Basis, sind anerkannte Hilfsmittel; den Weg dorthin ebnet eine UK- oder Hilfsmittelberatung. Beides zusammen ist kein Widerspruch: Das iPhone auf dem Nachttisch als Sofortlösung, das Spezialgerät als Dauerlösung.

Häufige Fragen

Welche Geräte unterstützen die iOS-Augensteuerung?

Apple hat die Augensteuerung mit iOS 18 eingeführt. Sie läuft auf neueren iPhones und iPads und nutzt nur die Frontkamera, ein Zusatzgerät ist nicht nötig. Ob das eigene Gerät sie anbietet, zeigt ein Blick in die Einstellungen unter Bedienungshilfen: Taucht dort der Punkt Augensteuerung beziehungsweise Eye-Tracking auf, wird das Gerät unterstützt.

Wie wähle ich mit den Augen etwas aus, ohne zu tippen?

Über die Verweilsteuerung: Der Blick ruht eine einstellbare Zeit auf einer Taste, dann löst das System die Auswahl aus, so als hätte ein Finger getippt. Die Verweildauer lässt sich anpassen. Am Anfang passieren Fehlauswahlen, mit etwas Übung und großzügigen Tasten wird es schnell zuverlässiger.

Reicht die iPhone-Augensteuerung für Menschen mit ALS?

Sie ist ein guter, kostenloser Einstieg und für viele Situationen ausreichend, ersetzt aber kein angepasstes Hilfsmittel. Spezialgeräte mit eigener Eye-Tracking-Kamera arbeiten präziser, funktionieren auch bei ungünstigem Licht und werden bei Bedarf von der Krankenkasse finanziert. Eine Hilfsmittelberatung lohnt sich in jedem Fall.

Warum braucht eine App einen eigenen Augensteuerungs-Modus?

Weil der Blick ungenauer trifft als ein Finger. Ein Augen-Modus vergrößert Abstände und Ziele, damit die Verweilauswahl nicht ständig auf der Nachbartaste landet. Ohne solche Anpassung wird die Bedienung per Blick schnell frustrierend, mit ihr funktioniert sie erstaunlich gut.

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